2. Auftragslage

Wohin geht die Reise?

Die Anzahl der verfügbaren Jobs für Musiker & DJ ist ohne Frage in den letzten Jahren zurückgegangen. Bei der Altersklasse ab 60 aufwärts werden die Feiern immer häufiger ohne Musik, einfach mit einem guten Essen und gemütlichen Beisammensein durchgeführt. Weniger Hochzeiten, mehr Scheidungen, kaum noch Betriebsfeste und klamme Vereine – das bedeutet unterm Strich weniger Auftrittsmöglichkeiten. Dazu kommen noch zunehmend mehr Menschen, die sich eine Feier auf dem Saal mit allem was dazugehört gar nicht mehr leisten können.

Erstaunlich ist, dass (zumindest derzeit noch) bei weitem nicht alle Musiker & DJ von diesen Umständen ernsthaft betroffen sind. Auch in diesem Sommer gibt es Kollegen, die ohne Probleme auf 6 bis 12 Gigs pro Monat bei guten Gagen (deutlich über 50 Euro / Stunde) kommen. Doch auch bei vielen dieser Kollegen ist die Anzahl der Terminanfragen mehr oder weniger stark zurückgegangen. Wo früher 5 oder 6 Kunden für den gleichen Termin angefragt haben sind es jetzt nur noch 1 oder 2.

Allerdings berichten immer mehr Alleinunterhalter, DJs und Tanzband von erheblichen Problemen, genügend Auftritte an Land zu ziehen. Teilweise ist das Problem jedoch auch hausgemacht. Im Wesentlichen kommen 2 mögliche Ursachen dafür in Frage: Entweder die Anforderungen des Marktes werden nicht (mehr) erfüllt oder es gibt ein Marketingproblem.

Übel ist dabei, dass sich Versäumnisse in der Vergangenheit (3 oder auch 4 Jahre zurück) durchaus erst heute deutlich bemerkbar machen. In den fetten Jahren hat sich vielleicht manch einer ein wenig „auf seinen Lorbeeren ausgeruht“, viele Gigs gespielt und dafür weniger an sich, dem Repertoire und der Show gearbeitet. So hört man immer mal wieder Aussagen wie „Musiker XY ist ja ganz gut, aber den haben wir schon auf 30 Feiern gesehen. Das wird langsam langweilig.“ oder „Früher war der gut aber dann hatte man das Gefühl, der hat nicht mehr wirklich Spaß bei der Arbeit“.

Die Leute, die heute noch auf dem Saal mit 50 oder mehr Gästen feiern, die HABEN Geld – sie überlegen sich nur sehr gut wofür sie die sauer verdiente Kohle ausgeben. Wenn man da am Ball bleiben will, dann hat man es ALLEINE denkbar schwer! 

Auffällig ist, dass alle mir bekannten heute noch wirklich erfolgreichen Musiker in mehr oder weniger großen Teams arbeiten. Regelmäßiger, allgemeiner Erfahrungsaustausch, das Erkennen möglicher Trends, Repertorie-Tipps und natürlich auch der Austausch von Gigs erleichtern die Arbeit erheblich. Man läuft im Team auch nicht so schnell Gefahr, „einzurosten“ oder wichtige Entwicklungen am Markt zu verschlafen.

Was kann man also machen?

  • Suche Dir gleich gesinnte Kollegen auf Deiner Wellenlänge und pflege einen regen Austausch. 
  • Stelle Dir die Frage, über welche „Alleinstellungsmerkmale“ Du verfügst. Was kannst Du Deinem Publikum bieten, was kein anderer oder zumindest nur wenige andere anbieten können? Wenn Dir nichts einfällt, dann hast Du ein großes Problem – aber auch einen guten Ansatz für zukünftige Verbesserungen! 
  • Überlege kritisch ob das, was Dich besonders auszeichnet, überhaupt auch heute noch vom Publikum nachgefragt wird. Was wollen Deine Gäste wirklich?
  • Kaum jemand kann es sich heute noch leisten, völlig ohne Werbung durchs Leben zu gehen. Eine professionelle (!!) Visitenkarte ist ein absolutes MUSS. Auch eine gutgemachte Internetseite kann sich lohnen. 30 bis 40 Terminanfragen sind über das Internet durchaus zu holen (wenn man es richtig macht). 

Die goldenen Zeiten, in denen die Geschäfte wie von alleine gekommen sind, dürften vorbei sein. Mit den richtigen Fähigkeiten und etwas persönlichem Einsatz kann man aber auch heute noch gut mit der Tanzmusik verdienen!